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Wings in der Rock & Roll Hall of Fame: Paul McCartney öffnet seine persönlichsten Archive

Das Wichtigste auf einen Blick
  • Die Rock & Roll Hall of Fame eröffnet am 15. Mai 2026 die allererste Museumsausstellung, die Paul McCartney und Wings gewidmet ist.
  • Die Ausstellung vereint die größte jemals öffentlich gezeigte Sammlung von Objekten aus McCartneys persönlichen Archiven.
  • Sie fällt mit der Veröffentlichung von Morgan Nevilles Dokumentarfilm Man on the Run zusammen, der ab dem 27. Februar 2026 auf Prime Video verfügbar ist.
  • Instrumente, handgeschriebene Songtexte, Bühnenoutfits und bisher unveröffentlichte Fotos zeichnen die Post-Beatles-Ära von 1970 bis 1981 nach.

Auch wenn wir bei Woodbrass Band on the Run schon Hunderte Male gehört haben, bleibt die Geschichte von Wings eines der meist unterschätzten Kapitel der Rockgeschichte. Und offenbar hatte Paul McCartney genug davon, dass seine Band aus den Siebzigern im Schatten der Beatles steht. Der Musiker hat soeben die Öffnung seiner persönlichen Archive für eine große Ausstellung in der Rock & Roll Hall of Fame in Cleveland angekündigt. Handgeschriebene Songtexte, Studioinstrumente, nie veröffentlichte Fotos: Alles ist dabei. Ein Blick auf ein Ereignis, das für jeden echten Rockfan zur Pflichtpilgerreise werden dürfte.

Eine historische Premiere: Wings endlich im Rampenlicht

Die schlicht Paul McCartney and Wings betitelte Ausstellung öffnet am 15. Mai 2026 im berühmten Museum von Cleveland in Ohio ihre Türen. Es ist ganz einfach die erste große Museumsausstellung, die McCartneys Post-Beatles-Abenteuer und seiner von 1971 bis 1981 aktiven Band Wings gewidmet ist.

Der Rundgang umfasst ein ganzes Jahrzehnt kreativen Schaffens, von McCartneys erstem gleichnamigen Soloalbum im Jahr 1970 bis zur Auflösung der Band. Die Rede ist hier von der bedeutendsten Sammlung von Objekten aus Sir Pauls persönlichen Archiven, die jemals öffentlich zugänglich gemacht wurde. Das Museum erhielt zudem Leihgaben von ehemaligen Bandmitgliedern und engen Weggefährten.

Gut zu wissen

Paul McCartney wurde zweimal in die Rock & Roll Hall of Fame aufgenommen: 1988 mit den Beatles und 1999 als Solokünstler. Wings hingegen wurde als Band nie separat aufgenommen. Diese Ausstellung schließt somit eine ziemlich offensichtliche Lücke in der institutionellen Anerkennung einer Band, die die Charts der 70er-Jahre dominierte.

Was gibt es in der Ausstellung zu entdecken?

Die Rock & Roll Hall of Fame verspricht ein immersives Erlebnis aus Archivvideos, Audioaufnahmen und Fotografien. Zu den ausgestellten Stücken gehören:

  • Instrumente, die bei den Aufnahmen zu den sieben Studioalben von Wings und bei Konzerten zum Einsatz kamen
  • Handgeschriebene Songtexte von McCartney, von denen einige noch nie gezeigt wurden
  • Bühnenoutfits, die von den Bandmitgliedern getragen wurden
  • Originalkunstwerke, Tour-Merchandise und bisher unveröffentlichte Fotos

Es geht nicht darum, einfach nur Objekte in Vitrinen aneinanderzureihen. Die Ausstellung möchte die Besucher in die Atmosphäre der Siebziger zurückversetzen, zwischen Aufnahmestudio und Welttourneen. Man kann sich leicht vorstellen, wie einem beim Anblick des Basses oder der Gitarre, mit denen Band on the Run in den Studios von Lagos in Nigeria aufgenommen wurde, ein Schauer über den Rücken läuft.

Profi-Tipps

Die Ausstellung ersetzt die Bon Jovi-Ausstellung (Bon Jovi: Forever), die nach zwei Jahren im Museum von Cleveland geschlossen wurde. Wenn du einen musikalischen Roadtrip durch die USA planst, ist die Rock & Roll Hall of Fame definitiv einen ganzen Besuchstag wert.

Wings: Die Geschichte einer mutigen Neuerfindung

Um die Bedeutung dieser Ausstellung zu verstehen, ist ein kurzer Rückblick angebracht. 1970 steht Paul McCartney vor einer gewaltigen Herausforderung: nach den Beatles weiterzubestehen. Mit gerade einmal 27 Jahren zieht er sich mit seiner Frau Linda McCartney auf eine abgelegene Farm in Schottland zurück und beginnt, nahezu handwerklich im Alleingang aufzunehmen.

Im Jahr 1971 gründet er Wings mit Linda an den Keyboards und am Gesang, dem Gitarristen Denny Laine (ehemaliges Mitglied der Moody Blues) und dem Schlagzeuger Denny Seiwell. Die Band hat einen schwierigen Start – die Kritik ist gnadenlos –, doch McCartney bleibt beharrlich. Das Abenteuer führt über improvisierte Bustourneen durch britische Universitäten, turbulente Aufnahmen in Lagos und Welttourneen in ausverkauften Stadien.

Insgesamt veröffentlichte Wings sieben Studioalben, erreichte sieben Top-10-Hits in den USA – darunter Band on the Run, Silly Love Songs, Listen to What the Man Said und Live and Let Die – und verkaufte Millionen von Platten. Nicht schlecht für eine Band, die lange als „der lästige kleine Bruder“ der Fab Four galt.

Man on the Run: Der große Dokumentarfilm parallel zur Ausstellung

Die Ausstellung kommt nicht allein. Sie ist Teil eines echten Projekts zur Neubewertung der Wings-Ära, das McCartney selbst initiiert hat. Der Dokumentarfilm Paul McCartney: Man on the Run des Oscarpreisträgers Morgan Neville ist seit dem 27. Februar 2026 auf Prime Video verfügbar.

Der Film zeichnet das Jahrzehnt nach den Beatles anhand von bisher unveröffentlichtem Archivmaterial, Interviews und Familienaufnahmen nach, die Linda McCartney selbst gedreht hat. Zu Wort kommen Ringo Starr, Mick Jagger, Sean Ono Lennon und Chrissie Hynde. Die Kritiker sind sich einig: Der Dokumentarfilm wird für seinen intimen und verletzlichen Ansatz gelobt, fern jeder unkritischen Hagiografie.

Die Rock & Roll Hall of Fame veranstaltete übrigens am 21. Februar im Foster Theater eine Vorpremiere des Films, wenige Tage bevor er auf der Amazon-Plattform online ging.

Tipp

Um vor dem Dokumentarfilm in die Welt von Wings einzutauchen, ist das Buch Wings: The Story of a Band on the Run (erschienen im November 2025) eine wahre Goldgrube. Dieses über 500 Seiten starke Werk, das auf Hunderten Stunden von Interviews basiert, wurde sofort zum New-York-Times-Bestseller. Die perfekte Oral History, um die Entstehung jedes Albums zu verstehen.

Warum Wings seinen Platz im Museum (endlich) verdient

Jahrzehntelang litt Wings unter einem grausamen Paradox: enormem kommerziellem Erfolg bei gleichzeitig verhaltener Anerkennung durch die Kritik. Die Band wurde stets an den Beatles gemessen, was ungefähr so fair ist, wie jeden Sprinter mit Usain Bolt zu vergleichen.

Dabei ist der musikalische Einfluss von Wings unbestreitbar. McCartney experimentierte dort in völliger Freiheit und vermischte Rock, Pop, Funk und auf Band on the Run sogar afrikanische Klangfarben. Auch die Rolle von Linda McCartney – lange von der Presse verspottet – wird neu bewertet. Ihre Beiträge an den Keyboards und zu den Gesangsarrangements waren weitaus bedeutender, als die Kritiker der damaligen Zeit wahrhaben wollten.

Diese Ausstellung markiert zusammen mit dem Dokumentarfilm und dem Buch einen Wendepunkt in der Wahrnehmung dieser Periode. McCartney scheint mit 83 Jahren entschlossen, in diesem Kapitel seiner Karriere einiges richtigzustellen.

Ein Vermächtnis, das endlich angemessen gefeiert wird

Mit dieser Ausstellung in der Rock & Roll Hall of Fame, dem Dokumentarfilm Man on the Run und dem Bestsellerbuch bietet Paul McCartney den Fans einen einzigartigen Einblick in eine der kreativsten und meist unterschätzten Phasen seiner Karriere. Wings war kein Plan B nach den Beatles: Es war ein radikales, familiäres und zutiefst persönliches Projekt. Es wurde Zeit, dass die Rockwelt dies offiziell anerkennt. Treffpunkt ist am 15. Mai 2026 in Cleveland für alle, die das Erlebnis hautnah miterleben möchten.

Quellen

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