
Das Wichtigste im Überblick 💡:
- Der Tonverk ist kein Digitakt 3: Es ist ein polyphoner Multisampler mit Subtracks, Audio-Maschinen und einem ultra-kreativen Granular-Engine.
- Sein Elektron-Sequenzer Elektron + die 8 Stimmen pro Spur + die Subtracks machen ihn zu einer monströsen Maschine für Drums, Pads und Akkorde. Woodbrass+1
- Das interne Routing (Bus + Sends) und die 15 Effekte verwandeln den Tonverk in ein echtes Hardware-Multi-Effektgerät für dein gesamtes Studio. Woodbrass+1
- Dank Multisampling kann der Tonverk das Gehirn deines Setups werden: Er vereint deine VSTs, Hardware-Synths und Lieblingssounds in einer einzigen Maschine. Woodbrass
Der Tonverk: eine sehr schöne Überraschung

Mein Freund, lass uns gleich zur Sache kommen: Als der Elektron Tonverk erschien, erwartete die Fangemeinde einen Octatrack MK3. Das Ergebnis: Statt des versprochenen Burgers stellte Elektron eine riesige Sushi-Platte auf den Tisch. Und natürlich bist du etwas enttäuscht, wenn du drei Jahre lang von einem Doppel-Cheeseburger träumst und dann Makis serviert bekommst – auch wenn die Makis unglaublich sind.
Aber nachdem ich wirklich mit dem Tonverk gelebt habe, sage ich dir ehrlich ins Gesicht: Der Tonverk ist kein Flop. Er ist sogar meine liebste Elektron-Maschine geworden. Und ja, ich finde, er legt in vielen Punkten eine Schippe drauf gegenüber dem Digitakt (auch wenn der Digitakt weiterhin großartig ist, den werfen wir ja nicht weg).
Um das einzuordnen:
Der Tonverk ist ein polyphoner Multisampler und Audio-Prozessor mit:
- bis zu 8 Noten pro Spur,
- Subtracks, um mehrere Drum-Sounds auf einer Spur zu stapeln,
- Audio-Maschinen (Single Player, Multi Player, Subtracks, MIDI, Grain),
- einen Elektron-Sequenzer mit 256 Steps,
- eine SD-Karte zum Speichern deiner Samples,
- Audio über USB-C, um ihn als Audiointerface / Hub mit deinem Computer zu nutzen.
Kurz gesagt, das ist weit entfernt von einem einfachen „Digitakt++“.
1. Polyphonie und Subtracks: Schluss mit „ein Sound pro Spur“

Bei vielen Elektron-Maschinen arbeitest du im Modus ein Sound pro Spur: Kick auf 1, Snare auf 2, Clap auf 3, Hihat auf 4 usw. Mit dem Tonverk gibt es einen großen Wandel:
- Jede Spur kann bis zu 8 Noten gleichzeitig spielen,
- Du kannst also Akkorde, Pads und polyphone Leads spielen,
- Und für Drums gibt es die Subtracks, mit denen du mehrere Samples auf einer Spur laden und parallel spielen kannst.
Konkret:
- Bei einem Digitakt braucht ein einfaches Kit mit Kick + Snare + Clap + Charley 4 Spuren.
- Beim Tonverk kannst du dank Subtracks alles auf einer einzigen Drum-Spur unterbringen und hast noch Platz für weitere Sounds.
Das Ergebnis:
- Du gewinnst Spuren für Pads, Bässe, Texturen,
- Du kannst reichhaltigere Arrangements machen, ohne dich eingeengt zu fühlen.
: Betrachte deine Spuren im Tonverk als „Familien“:
- 1 Spur = dein komplettes Drum-Kit,
- 1 Spur = dein polyphoner Bass oder deine Bass-Layer,
- 1 Spur = deine Pads,
- 1 Spur = dein Hauptlead.
So maximierst du die Maschine, ohne dich in 50 Routing-Seiten zu verlieren.
2. Sounddesign: Audio-Maschinen, Arpeggiator und Granular-Engine

Der Tonverk ist so etwas wie das All-you-can-eat-Buffet des Sounddesigns. Er bietet mehrere „Maschinen“ (Sound-Engines), die bestimmen, wie die Spur auf dein Sample reagiert:
Single Player: der „klassische“ Sampler
- Du lädst ein Sample,
- spielst es auf der eingebauten Tastatur oder einem MIDI-Keyboard,
- hohe Töne verkürzen das Sample, tiefe Töne verlängern es (kein Time-Stretch hier).
Perfekt für:
- Synth-Sounds,
- Texturen,
- One-Shots, die du melodisch spielen möchtest.
Multi Player: Multisampling im Herzen der Maschine
Hier geht es auf ein anderes Level:
- Du spielst multisampelte Instrumente,
- jede Note wurde in der richtigen Tonhöhe aufgenommen,
- beim Hoch- oder Runterspielen auf der Tastatur bleibt der Klang natürlich, ohne Pitch-Artefakte.
Und vor allem kannst du deine eigenen Multisamples erstellen. Mehr dazu im Multisampling-Teil – das ist eindeutig das, was den Tonverk zu einem vollwertigen Instrument macht.
Subtracks: die Maschine, die Kits umhaut
Wir haben es schon bei der Polyphonie erwähnt, aber im Sounddesign ist das genial:
- Du lädst bis zu 8 Drum-Samples in eine einzige Spur,
- jeder Sound hat eigene Parameter (Pitch, Filter, Hüllkurve…),
- du kannst sie unabhängig sequenzieren und trotzdem in einer „Gruppe“ halten. Woodbrass
Perfekt für:
- ultrakohärente komplette Kits erstellen,
- schnelle Variationen ohne Spurwechsel,
- einen flüssigen Workflow live bewahren.
MIDI-Maschine: der Dirigent
Du schließt einen externen Synth an den Tonverk an, und dann:
- Du nutzt den Elektron-Sequenzer, um deine andere Maschine zu steuern,
- profitierst von Parameter Locks, LFOs und dem Arpeggiator,
- und behältst dabei den Audio-Engine deines Lieblingssynths.
Du machst den Tonverk zum MIDI-Gehirn deines Setups.
Grain (Granular-Engine): das Juwel für Pads
Seit dem Update hat Elektron Grain hinzugefügt, eine Granular-Engine direkt im Tonverk. Woodbrass
Damit kannst du:
- ein Sample (Stimme, Pad, Textur, Field Recording…) nehmen,
- es in winzige „Grains“ zerschneiden,
- diese dehnen, glätten, verstreuen,
- und unendliche Pads, filmische Texturen und seltsame, aber wunderschöne Atmosphären erschaffen.
Die Granular-Engine des Tonverk, kombiniert mit Polyphonie + LFOs + Effekten,
ist buchstäblich eine Soundscape-Fabrik. Du kannst mit einem kleinen, langweiligen Sample starten und am Ende ein Sci-Fi-Film-Pad haben.
3. Effekte und Routing: das geniale Labyrinth des Tonverk

Hier geraten viele ins Grübeln: die Routing-Seite.
Ich beruhige dich: Sobald du die Logik verstanden hast, ist es viel weniger einschüchternd als es aussieht.
Bus vs Sends: Schalter vs Wasserhahn
Im Tonverk hast du:
- Bus-Spuren (Spuren 9 bis 12),
- Send-Spuren (Spuren 13 bis 15),
- eine Mix/Master-Spur am Ende.
Ein Bus ist:
- eine Spur ohne eigenes Sample,
- auf der du Effekte lädst,
- und auf die du andere Spuren im Ein/Aus-Modus schicken kannst.
Einfaches Bild:
Bus = Schalter. Entweder geht deine Spur durch oder nicht.
Ein Send ist:
- eine Spur mit Effekten parallel,
- auf die du einen Prozentsatz deines Signals sendest,
- ideal für Reverbs und Delays.
Einfaches Bild:
Send = Wasserhahn. Du öffnest mehr oder weniger den Effektanteil.
In Kombination kannst du:
- bis zu 8 verschiedene Effekte pro Spur stapeln (2 auf der Spur, 2 auf einem Bus, 3 über Sends + 1 auf dem Master),
- genau entscheiden, wo dein Signal hingeht (Hauptmix, separate Ausgänge usw.). Woodbrass+1
Und die Effekte sind die Elektron-Creme: Filter, Kompressor, Chorus, Super Void Reverb, Pitch, Warper usw.
- Nutze einen Bus mit einem kräftigen Filter für deinen Drum-Bus: Du schaltest ihn je nach Pattern ein oder aus – perfekt für Drops.
- Halte deine Reverbs und Delays auf Sends, um jede Spur individuell dosieren zu können, ohne alles zu überladen.
AB/CD-Ausgänge: wenn der Tonverk sich mit der Außenwelt verbindet
Auf der Rückseite des Tonverk findest du:
- einen Mix A/B Ausgang,
- einen Mix C/D Ausgang,
- Audio über USB-C,
- zwei Audioeingänge zum Verarbeiten externer Quellen. Woodbrass+1
Das bedeutet, du kannst:
- bestimmte Spuren zum C/D-Ausgang schicken,
- sie durch ein anderes Gerät schicken (z.B. einen OP-1, ein Pedalboard, einen Hardware-Kompressor…),
- und dann wieder in die Eingänge des Tonverk zurückführen,
- und sie weiterhin mit Effekten und Sequenzer bearbeiten.
Im Grunde wird der Tonverk so zu einem Audioverarbeitungszentrum für dein gesamtes Studio.
4. Multisampling: wenn der Tonverk dein „Mega-Instrument“ wird

Das ist der Punkt, an dem ich von „Ja, solide Maschine“ zu „Okay, ich behalte sie, das ist mein neues Hauptspielzeug“ gewechselt bin.
Dank Multisampling (über die Maschine Multi Player und den Auto Sampler) kannst du: Woodbrass+1
- ein Plugin anschließen (z.B. ein Piano wie Una Corda, einen fetten Synth usw.),
- oder einen Hardware-Synth,
- dem Tonverk sagen: „Nimm alle Noten in diesem Bereich mit so vielen Anschlagsstärken auf“,
- und er sampled jede Note automatisch,
- und organisiert das alles in einem multisampelten Instrument, das sofort spielbereit ist.
Das Ergebnis:
- Du kannst deine Lieblingssounds mitnehmen, ohne das Plugin oder den Synth eingeschaltet zu lassen,
- Du kannst diesen Sound live in einer einzigen Maschine spielen,
- und ihn dann mit Granular, LFOs, Effekten, Sequenzer usw. weiterverarbeiten.
Für mich macht das den Tonverk zu:
- einem vollständigen Instrument,
- aber auch einem Archiv deiner klanglichen Identität.
Du kannst buchstäblich dein Studio in der Box einfangen.
5. Vielseitigkeit: Standalone, Setup-Gehirn oder Sidekick deines DAWs
Den Tonverk kannst du auf drei Hauptarten nutzen:
1. Vollständig standalone
- SD-Karte auf der Rückseite zum Speichern von Gigatonnen Samples,
- ultrakompletter Elektron-Sequenzer (bis zu 256 Steps pro Spur, Parameter Locks, Wahrscheinlichkeiten usw.),
- Audio-Engines + Effekte + Granular + Multisampling. Woodbrass+1
Du kannst damit wirklich:
- komplette Songs darauf komponieren,
- Live-Sets ohne Computer spielen,
- und nur ein kleines MIDI-Keyboard anschließen, wenn du mehr Spielkomfort möchtest.
2. Als Gehirn deines Hardware-Setups
Dank:
- der MIDI-Maschine,
- dem fortgeschrittenen Routing,
- den mehrfachen Ausgängen,
kannst du den Tonverk zum Dirigenten deiner anderen Synths, Drum-Machines und Module machen. Er sendet Clock, Noten, CCs – und alle tanzen im gleichen Tempo.
3. Als Begleiter für Ableton / Logic / andere DAWs
Mit Audio über USB-C wird der Tonverk als Audiointerface erkannt: Du kannst Audio in deine DAW schicken, ohne einen Klinkenstecker zu benutzen.
Du kannst zum Beispiel:
- Stems aus Ableton in den Tonverk schicken,
- sie mit Effekten, Granular, Routing bearbeiten,
- und alles zurück in deine DAW schicken.
Im Grunde nutzt du den Tonverk als eine hochentwickelte Hardware-Textur- und Multi-Effekt-Fabrik.
Für wen ist der Tonverk wirklich gemacht?
Seien wir ehrlich, wenn du ganz neu in Musik und Maschinen bist, fang nicht hiermit an. Die Maschine ist mächtig, aber auch anspruchsvoll. Wenn du deinen ersten Fuß bei Elektron reinsetzen willst, kannst du mit folgendem starten:
- dem Elektron Model:samples, super zugänglich, ideal um Elektron-Sequencing und einfaches Sampling kennenzulernen,
- dem Elektron Model:cycles, perfekt um FM-Synthese zu verstehen, ohne dein Gehirn zu überfordern.
Wenn du dann einen kräftigen Sampler suchst, der auf Drums und Live ausgerichtet ist und direkter ist:
- bleibt der Elektron Digitakt II eine absolute Referenz.
Der Tonverk wird relevant, wenn:
- du das Elektron-Ökosystem schon ein bisschen kennst,
- du ein zentrales Instrument für dein Studio möchtest,
- du eine Maschine willst, die Sampler, Multi-Effektgerät, fortgeschrittener Sequenzer und Audio-Hub in einem ist.
Einige Schwächen, die man im Kopf behalten sollte
Auch wenn ich ein großer Fan bin, will ich dir das nicht als perfekt verkaufen:
- Der Preis ist etwas hoch: Er liegt klar über dem Digitakt, aber angesichts all dessen, was die Maschine zusätzlich bietet (Polyphonie, Multisampling, Granular, fortgeschrittenes Routing…), ist das fair. Woodbrass+1
- Es fehlen noch einige „offensichtliche“ Features:
- kein klassisches Time-Stretch,
- kein so intuitives automatisches Slicing wie bei manchen anderen Maschinen.
Also Flop oder unterschätztes Gerät?
Für mich ist die Antwort klar:
Der Tonverk ist eine der am meisten unterschätzten Maschinen derzeit.
Warum?
- Er kam nach unrealistischen Erwartungen (fantasierter Octatrack MK3),
- Er schlägt eine neue Richtung bei Elektron ein,
- Er vereint Sampler, Multisampler, Granular, Multi-Effekte und Audio-Hub in einem völlig neuen Formfaktor. Woodbrass+1
Wenn du suchst nach:
- einer Maschine, die das Zentrum deines Setups werden kann,
- einem Werkzeug, um deine Lieblingssounds einzufangen und unendlich zu formen,
- einem echten Spielplatz für Sound-Geeks,
Dann verdient der Tonverk definitiv eine zweite Chance!

