
- Kiss of Death, das 18. Studioalbum von Motörhead, erscheint am 3. Juli 2026 bei BMG in einer Deluxe-Ausgabe neu.
- Die Platte wurde im Half-Speed-Remastering von den Originalbändern neu abgemischt.
- Das Set enthält ein unveröffentlichtes Live-Konzert vom Lowlands Festival 2007 in den Niederlanden.
- Die von Dave Ling verfassten Liner Notes ehren Phil Campbell, der im März 2026 verstorben ist.
Bei Woodbrass hat jeder seine eigene Geschichte mit Motörhead. Meine ist eine CD, die ich 2006 ergattert habe, mit einem von Joe Petagno signierten Cover, Snaggletooth in Flammen: Kiss of Death. Zwanzig Jahre später bringt BMG das Album in einer Deluxe-Version heraus, die zu einem besonderen Zeitpunkt erscheint: Lemmy verließ uns Ende 2015, und Phil Campbell starb im März dieses Jahres. Diese Neuauflage ist also keineswegs nur ein Katalogobjekt.
Eine mit Spannung erwartete Deluxe-Neuauflage
Die Ankündigung erfolgte am 13. Mai: BMG veröffentlicht am 3. Juli 2026 eine Jubiläumsausgabe von Kiss of Death, erhältlich als Doppelvinyl und Doppel-CD.
Folgendes erwartet euch in dieser erweiterten Version:
- Das Originalalbum im Half-Speed-Remastering von den Originalbändern
- Ein unveröffentlichtes Live-Konzert vom Lowlands Festival in Biddinghuizen 2007
- Liner Notes von Dave Ling (Classic Rock) als Hommage an Phil Campbell
- Drei Bonus-Tracks auf der CD-Version, darunter die berühmte Coverversion „R.A.M.O.N.E.S.“ im Studio und live
- Ein neues Lyric-Video zu „God Was Never On Your Side“, produziert von Andy Pilkington
Half-Speed-Mastering ist eine Schneidetechnik, bei der das Quellband und die Pressmatrize mit halber Geschwindigkeit laufen. Das Ergebnis: Der Schneidstichel hat doppelt so viel Zeit, die hohen Frequenzen zu gravieren. Das bringt mehr Präzision, klarere Höhen und mehr Dynamik. Eine eher hochwertige Methode, lange Zeit nur für Audiophile reserviert.
Rückblick auf „Kiss of Death“ – das klassische Trio in Bestform
Am 29. August 2006 auf dem Label Steamhammer erschienen, fängt Kiss of Death das Trio Lemmy Kilmister (Bass, Gesang), Phil Campbell (Gitarre) und Mikkey Dee (Schlagzeug) in bestialischer Form ein. Die zweite Zusammenarbeit mit Produzent Cameron Webb nach Inferno, wurde das Album in mehreren kalifornischen Studios aufgenommen.
Dreizehn Titel, darunter die unverwüstlichen „Sucker“, „One Night Stand“, „Trigger“ und die raue Ballade „God Was Never On Your Side“, eine Frontalkritik an Predigern aller Art. Zwei prominente Gäste setzen ihre Krallen: Mike Inez (Alice in Chains) bei „Under the Gun“ und C.C. DeVille (Poison) beim Solo von „God Was Never On Your Side“. Das Album erreichte Platz 4 der deutschen Charts, die beste Platzierung der Bandgeschichte in Deutschland.
Ein unveröffentlichtes Live-Konzert: Lowlands 2007
Der wahre Sammler-Bonus ist das Konzert „Live at Lowlands, 2007“, aufgenommen beim niederländischen Festival während der Nach-Tour zum Album. Zwölf Titel von „Snaggletooth“ bis zum abschließenden „Ace of Spades“, inklusive „Killers“, „Killed by Death“ und „Going to Brazil“. Eine Setlist, die zeigt, wie breit das Repertoire der Band war, ohne Nostalgie oder Selbstgefälligkeit.
Eine Neuauflage mit Tribut-Charakter
Man kann diese 2026er-Version nicht hören, ohne an Phil Campbell zu denken. Der walisische Gitarrist, der 1984 zu Motörhead stieß, verstarb am 13. März 2026 im Alter von 64 Jahren. Er war zwanzig Jahre lang der einzige Sechssaiter der Band und prägte Alben wie Orgasmatron, 1916 und Bastards.
Die Liner Notes von Dave Ling, dem langjährigen Autor von Classic Rock, zollen ihm eine direkte Hommage. BMG begnügt sich nicht mit einem kommerziellen Schachzug: Das Label besiegelt ein Kapitel Rockgeschichte. Die Besetzung von Kiss of Death – Lemmy, Phil, Mikkey – wird es nie wieder geben.
Warum dieses Album eine Neuauflage verdient hat
Seien wir ehrlich: In der umfangreichen Diskografie von Motörhead hatte Kiss of Death nicht immer den Stellenwert, den es verdient. Eingeklemmt zwischen Inferno und Motörizer wurde es lange als ein Album der Kontinuität gesehen. Zwanzig Jahre später zeigt der Rückblick: stimmig, abwechslungsreich und wütend, mischt es klassischen Speed Metal, schleppende Midtempo-Nummern und düstere Balladen. Das Half-Speed-Remaster sollte Lemmys Bass mehr Präsenz und Phils Soli mehr Schärfe verleihen.
Laut, schnell und ewig
In einer Zeit, in der Deluxe-Neuauflagen sich häufen, aber nicht immer viel Mehrwert bieten, erfüllt diese alle Kriterien: seriöses Remastering, authentische Raritäten, starke Erzählung. Die perfekte Gelegenheit zu verstehen, warum Motörhead einer der Grundpfeiler des puren Rock’n’Roll bleibt. Am 3. Juli ist es soweit.
Quellen
- Blabbermouth – Motörhead: 20th-Anniversary Expanded Edition Of ‚Kiss Of Death‘ Due In July
- Consequence – Motörheads Kiss of Death erhält eine 20th Anniversary Deluxe-Neuauflage
- The MetalList – Motörhead kündigen 20th-Anniversary Expanded Edition von ‚Kiss Of Death‘ für Juli an
- Metal-Rules – 20th Anniversary Edition Of Kiss Of Death On Expanded Double LP And 2CD
- Wikipédia – Kiss of Death (Album von Motörhead)

