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Wie kalibrierst du dein Aufnahmestudio richtig? Audient ORIA Mini Tutorial

Das Wichtigste auf einen Blick
  • Die Audient ORIA Mini ist eine eigenständige Box zur Raumkorrektur, entwickelt in Zusammenarbeit mit Sonarworks.
  • Sie speichert die Raummessungen und wendet die Korrektur ohne aktive Software im Hintergrund an.
  • Sie steuert die Hauptlautsprecher UND den Subwoofer, mit einstellbaren Delays, Crossover und Pegeln.
  • Ergebnis der Session von Loris Marzotto: ein kontrollierter Tieftonbereich und ein deutlich treueres Abhören.

Als man mir zum ersten Mal einen Mix vor und nach der Raumkorrektur vorgespielt hat, habe ich verstanden, warum so viele Tontechniker dort Zeit investieren. Als uns Loris Marzotto die Türen seiner Regie öffnete, um sein Abhören mit der Audient ORIA Mini zu kalibrieren, haben wir uns Notizen gemacht. Hier ist das komplette Debriefing seiner Session, Schritt für Schritt.

Loris‘ Studio: Vintage, ATC und eine selbst akustisch behandelte Regie

Loris arbeitet in einem Studio, in dem er sein Setup gerne mit Vintage-Equipment umgibt. Überall alte Kisten, Drum-Aufnahmen, Amp-Aufnahmen: Der Hauptraum dient vor allem den Aufnahmen. Aber in seiner Regie verbringt er die meiste Zeit, und dort hat er sein Hauptabhören installiert, mit einem Drei-Wege-Lautsprechersystem von ATC und einem Subwoofer.

Er gibt es offen zu: Er hat den Raum selbst akustisch behandelt, aber wie er sagt, „es ist keine Magie“. So gut sie auch gemacht ist, eine passive Behandlung hat ihre Grenzen. Genau hier kommen die digitalen Raumkorrektur-Lösungen ins Spiel, und das ist der ganze Reiz der ORIA Mini.

Warum die ORIA Mini den Unterschied macht

Das Konzept ist auf dem Papier einfach: Du misst deinen Raum mit Sonarworks, du überträgst die Messung in die kleine ORIA Mini Box, und schon ist die Korrektur intern gespeichert, dauerhaft angewendet, ohne dass eine Software im Hintergrund laufen muss.

Konkret bedeutet das, dass die Korrektur überall funktioniert: in deiner DAW (Cubase, Pro Tools…), auf Spotify, auf YouTube oder sogar im Heimkino. Du bist nicht mehr von einem Plugin abhängig, das in deinem Rechner läuft. Die Box erledigt den Job allein, und du kannst Sonarworks sogar aus deinem Workflow entfernen, sobald die Kalibrierung abgeschlossen ist.

Gut zu wissen

Die ORIA Mini ist aus einer Partnerschaft zwischen Audient und Sonarworks entstanden, das als Vorreiter der softwarebasierten Raumkorrektur gilt. Du profitierst also von der Expertise beider Marken in einer einzigen kleinen Box, mit der Stabilität eines dedizierten Hardware-Systems.

Was im Karton steckt

Das Audient ORIA Mini Pack wird mit allem geliefert, was du für den Start brauchst:

  • Die ORIA Mini Box selbst
  • Ein nummeriertes Messmikrofon (jedes Mikrofon hat seine bei Sonarworks erfasste Frequenzgangkurve)
  • Ein USB-C-Kabel, um die Box mit Strom zu versorgen und mit dem Computer zu verbinden

Bei der Anschlussvielfalt ist das Gerät für sein kompaktes Format ziemlich gut ausgestattet:

  • Ein analoger Stereo-Eingang (Klinke)
  • Ein digitaler S/PDIF-Eingang
  • Ein Stereo-Ausgang für die Hauptlautsprecher
  • Ein dedizierter Ausgang für den Subwoofer in Mono

Dieser letzte Punkt ist wichtig: Die native Unterstützung des Subwoofers ist bei dieser Art von System noch selten. Genau das hat es Loris ermöglicht, sein Abhören unter vollständiger Einbindung seines Subwoofers zu kalibrieren.

Die Kalibrierungs-Session, Schritt für Schritt

1. Die Software installieren und die Lizenzen aktivieren

Zunächst sind zwei Programme herunterzuladen: Audient ORIA Control und Sonarworks SoundID Reference. Jedes hat seine eigene Lizenz zu aktivieren, mit einer für die ORIA Mini spezifischen Seriennummer, die du auf der Website von Sonarworks eingibst. Das schafft die Brücke zwischen den beiden Programmen beim Übertragen der Messung.

2. Das Routing überprüfen

Vor der Messung betont Loris einen wesentlichen Punkt: sicherstellen, dass der Sound auch wirklich über die Lautsprecher UND den Subwoofer via ORIA Control läuft. Wenn das Routing falsch eingestellt ist, wird die Messung verfälscht. Eine kleine Checkliste auch auf der Mikrofonseite: 48-V-Phantomspeisung aktiviert, Direct Monitoring deaktiviert und die Seriennummer des Mikrofons eingetragen, damit Sonarworks die exakte Frequenzgangkurve abruft.

Pro Tips

Bei Drei-Wege-Lautsprechern wie den ATC von Loris zielst du bei den Referenzmessungen vor jedem Lautsprecher mit dem Mikrofon auf die Höhe der Mitteltöner. Die Sonarworks-Schemata zeigen oft Zwei-Wege-Lautsprecher, aber das Prinzip bleibt gleich: auf den Mitteltöner zielen für eine stimmige Platzierung.

3. Das Mikrofon positionieren und die Messungen starten

Sonarworks führt dich Schritt für Schritt. Lautsprecher-Lautstärke kalibriert, Sitz entfernt, Mikrofon auf Ohrhöhe in Abhörposition: Los geht’s mit der Messung der Abstände zwischen den Lautsprechern und zwischen dem Mikrofon und jedem Lautsprecher. Ein cleveres Detail: Loris hat den von der Software vorgeschlagenen Wert (144 cm) korrigiert, weil er 142 cm gemessen hatte. Das System akzeptiert manuelle Anpassungen, und das ist gut für die Präzision.

Dann folgt die Phase, die am meisten Geduld erfordert: 37 Messpunkte, die im Raum aufzunehmen sind, indem du das Mikrofon an verschiedene Positionen rund um den Haupt-Abhörpunkt bewegst. Das dauert, ist aber notwendig, damit Sonarworks den tatsächlichen akustischen Frequenzgang der Regie kartografiert.

Die Diagnose: was die Messungen offenbart haben

Am Ende der Mess-Session spricht die Frequenzgangkurve für sich. Loris identifiziert sofort mehrere Problemzonen in seinem Raum:

  • Eine Überhöhung um 170 Hz
  • Eine Senke bei 500 Hz
  • Ein deutlicher Abfall unter 100 Hz, bedingt durch einen Subwoofer, der phasenverschoben zu den Hauptlautsprechern ist

Dieser letzte Punkt ist interessant: Loris hatte dieses Phasenproblem bereits entdeckt, und die Messung bestätigt es schwarz auf weiß. Genau das ist die Art von Sache, die man mit dem Ohr nur schwer hört, aber die einen Mix im Tieftonbereich komplett ruiniert. Zum Glück kann Sonarworks das korrigieren.

Der Transfer zur ORIA Mini: die Magie geschieht

Sobald die Messung validiert und benannt ist (Loris hat sie „ATC Oria + sub“ getauft), bleibt nur noch, sie direkt zur ORIA Mini zu exportieren. Das ist der Moment, in dem Sonarworks mit ORIA Control kommuniziert, um die Kurve im internen Speicher der Box abzulegen. Die ORIA Mini kann bis zu 4 Messprofile behalten, was praktisch ist, wenn du an mehreren Setups oder verschiedenen Räumen arbeitest.

Wichtig: Sobald das Profil übertragen ist, musst du die Sonarworks-Korrektur auf der Softwareseite deaktivieren, um die Korrektur nicht doppelt anzuwenden. Ab da übernimmt die Box vollständig autonom.

Tipp

Denke daran, jedes Profil klar zu benennen, das du in der ORIA Mini speicherst (Abhörkonfiguration, Raum, Subwoofer vorhanden…). Mit 4 verfügbaren Speicherplätzen kannst du problemlos zwischen mehreren Setups wechseln, ohne neu messen zu müssen.

Die Feinabstimmungen: wo die ORIA Mini den Unterschied macht

Hier wird es wirklich interessant. Nach der automatischen Korrektur stellt Loris sofort eine enorme Verbesserung im unteren Mittenbereich und bei der Stabilität des Subwoofers fest. Aber er will feinabstimmen: Er findet, dass für seine Mixing-Bedürfnisse etwas zu viel Bass da ist. Mit ORIA Control lässt sich dann anpassen:

  • Der Pegel des Subwoofers unabhängig von den Hauptlautsprechern
  • Das Delay, um Subwoofer und Lautsprecher zeitlich auszurichten
  • Der Crossover (Loris stellt ihn auf 50 Hz, da seine ATC von Natur aus sehr tief hinabreichen)

All diese Anpassungen können anschließend mit einem Klick in der Box gespeichert werden. Und je nach Einsatzzweck kannst du mehr Sub lassen, wenn du Produktionen machst, bei denen das physische Gefühl zählt, oder ihn im Gegenteil zurücknehmen, um ein neutraleres, mixingorientiertes Ergebnis zu bekommen. Loris hat sich für den zweiten Ansatz entschieden, der dem Song treuer ist.

Das Detail, das den Unterschied macht: Stream-Deck-Integration

Jeder Parameter der ORIA Mini kann einer Taste oder einem Drehregler des Stream Deck zugewiesen werden. Das ist praktisch, weil es ermöglicht, auf einen externen Monitoring-Controller zu verzichten und somit zu vermeiden, eine Stufe hinzuzufügen, die den Sound färben könnte. Die Lautstärkeregelung ist nativ an der Box, das ist ein echtes Plus.

Das Fazit der Session

Loris geht aus der Session klar überzeugt heraus. Er arbeitete bereits täglich mit Sonarworks und war sehr daran gewöhnt. Die ORIA Mini bietet ihm dieselbe Korrekturqualität, aber als eigenständige Hardware, ohne dass dauerhaft eine Software laufen muss. Er gewinnt einen kontrollierten Tieftonbereich zurück, ein präziseres Abhören und die Möglichkeit, Sonarworks und ORIA Control nach Abschluss der Kalibrierung zu verlassen.

Die Einrichtung ist einfach, die Stabilität stimmt, und die Subwoofer-Unterstützung verschafft einen echten Vorteil gegenüber vielen konkurrierenden Lösungen.

Der Woodbrass-Tipp

Die Audient ORIA Mini richtet sich sowohl an Tontechniker, die eine bis ins kleinste Detail abgestimmte Kalibrierung wollen, als auch an Homestudio-Besitzer, die endlich unter verlässlichen Bedingungen mixen möchten. Wenn dich dein Abhören bei einem Mix schon mal im Stich gelassen hat (zu fette Bässe bei dir, blutleer überall sonst), ist das genau die Art von Werkzeug, das dein Produzentenleben verändern kann.

Fazit

Die Session von Loris Marzotto zeigt es deutlich: Die Audient ORIA Mini setzt die richtigen Häkchen für alle, die eine ernsthafte, eigenständige und stabile Raumkorrektur wollen. Die Partnerschaft mit Sonarworks garantiert die Qualität der Messung, und das Hardware-Format befreit deinen Computer von einem Plugin im Hintergrund. Bleibt jetzt nur noch, selbst die 37 Messpunkte durchzugehen — versprochen, es lohnt sich.

Und du, nutzt du in deinem Studio bereits ein Raumkorrektur-System?

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