
- Sister Rosetta Tharpe gilt als die , lange vor Elvis oder Chuck Berry.
- Joan Jett gründete eines der ersten unabhängigen Labels, das von einer Frau geleitet wurde und erreichte mit I Love Rock ’n‘ Roll einen weltweiten Nr. 1-Hit.
- Von Nancy Wilson (Heart) bis Bonnie Raitt haben diese Gitarristinnen bewiesen, dass Technik, Feeling und Charisma kein Geschlecht kennen.
- Lita Ford, einst bei den Runaways, prägte in den 80ern den Shred- und Heavy Metal der Frauen.
Wir alle haben das Bild des Gitarrenhelden vor Augen: wehende Haare, Marshall auf Anschlag, endloses Solo. Doch wenn ich mit Musiker:innen über Gitarren spreche, höre ich oft: Viele wissen nicht, dass einige der prägendsten Kapitel des Rock von Frauen geschrieben wurden.
Nicht am Rand, nein, mitten im Zentrum des Sturms. Vom elektrifizierten Gospel der 40er bis zum glitzernden Hard Rock der 80er – hier ist unser Top 5 der Gitarristinnen, die die Geschichte des Rock geprägt haben.
Sister Rosetta Tharpe: Die Patin des Rock’n’Roll
Vor Elvis, vor Chuck Berry, vor Little Richard gab es Sister Rosetta Tharpe. Geboren 1915 in Arkansas, erfand diese Sängerin und Gitarristin buchstäblich die Sprache der elektrischen Rockgitarre, indem sie Gospel, Blues und Swing bereits Ende der 30er Jahre verschmolz. Ihre Technik? Scharfe Anschläge mit dem Plektrum, ausdrucksstarke Bends, ein unnachgiebiges Rhythmusgefühl – alles auf einer ikonischen weißen Gibson SG. Zu einer Zeit, als die E-Gitarre noch eine Kuriosität war, füllte Tharpe Stadien und spielte vor 25.000 Menschen.
Ihr Einfluss auf den Rock ist enorm. Chuck Berry gab zu, sich von ihrem Spiel inspirieren zu lassen, und Keith Richards sowie Eric Clapton nannten sie als eine ihrer wichtigsten Einflüsse. Ihr Stück Strange Things Happening Every Day (1944) gilt oft als eine der allerersten Rock’n’Roll-Aufnahmen. 2018 wurde sie posthum in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen und bleibt ein unverzichtbarer Ausgangspunkt, um den Ursprung des Rock-Sounds zu verstehen.
Sister Rosetta Tharpe spielte auf einer weißen Gibson SG Custom mit drei Tonabnehmern, ein Modell, das normalerweise mit Hard Rock und Metal assoziiert wird. Entdecke die Gibson SG Modelle bei Woodbrass, um diesen legendären Sound zu erleben.
Joan Jett: Die Königin des rohen Rock
Es ist schwer, über weiblichen Rock zu sprechen, ohne Joan Jett zu erwähnen. Geboren 1958 in Philadelphia, gründete sie mit nur 15 Jahren The Runaways – eine rein weibliche Band, die in den 70ern die Codes von Punk- und Glam-Rock brach. Mit Songs wie Cherry Bomb bewiesen die Runaways, dass Mädchen genauso hart zuschlagen können wie Jungs. Die Band wurde international bekannt, besonders in Japan, bevor sie sich 1979 auflöste.
Doch erst als Solokünstlerin wurde Joan Jett wirklich zur Legende. Nachdem sie von 23 Labels abgelehnt wurde – ja, dreiundzwanzig – gründete sie 1980 Blackheart Records, eines der ersten von einer Frau geführten Labels. Der Erfolg gab ihr Recht: I Love Rock ’n‘ Roll erreichte 1982 Platz 1 in den USA und wurde zur weltweiten Hymne. Ihr Gitarrenspiel? Keine Schnörkel, keine endlosen Soli. Kraftvolle Powerchords, ein unnachgiebiger Rhythmus und eine authentische Attitüde. Joan Jett wurde 2015 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen – ein Beweis, dass roher Rock nie alt wird.
Um den rohen, direkten Sound von Joan Jett zu erreichen, ist die Gleichung einfach: eine elektrische Gitarre wie eine Gibson Melody Maker oder Les Paul Junior, angeschlossen an einen Amp mit Crunch und eventuell eine Verzerrer-Pedal wie das Boss DS-1 für mehr Biss. Das Wichtigste ist der Anschlag mit der rechten Hand.
Nancy Wilson: Die Virtuosin von Heart
Wenn du Barracuda, Crazy on You oder Magic Man kennst, kennst du die Arbeit von Nancy Wilson. Gitarristin und Mitbegründerin der Band Heart mit ihrer Schwester Ann, ist Nancy eine der wenigen Musikerinnen, die sowohl akustische als auch elektrische Gitarre meisterhaft beherrscht und mühelos vom zarten Fingerpicking zu satten Riffs wechselt.
Das akustische Intro von Crazy on You ist eines der denkwürdigsten Momente des Rock der 70er: ein Fingerstyle-Arpeggio mit chirurgischer Präzision, gefolgt von einer elektrischen Explosion, die dich an die Wand drückt. Heart verkaufte über 35 Millionen Alben und wurde 2013 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Nancy komponierte auch Soundtracks für Cameron Crowe (Almost Famous, Vanilla Sky). Eine vielseitige und oft unterschätzte Künstlerin.
Du möchtest die akustisch/elektrische Vielseitigkeit à la Nancy Wilson erkunden? Starte mit einer guten elektrischen Gitarre und ergänze sie mit einer elektro-akustischen. Der Schlüssel ist, dein Fingerpicking genauso zu trainieren wie das Spiel mit dem Plektrum, um an Ausdruckskraft zu gewinnen.
Bonnie Raitt: Die Slide-Queen des Blues-Rock
In einer Welt voller Gitarristen, die Noten aneinanderreihen, beweist Bonnie Raitt seit über fünfzig Jahren, dass Feeling mehr zählt als alle Shreds zusammen. Geboren 1949 in Kalifornien, verliebte sie sich schon als Teenager in den Blues und entwickelte ein Slide-Gitarrenspiel (Bottleneck), das heute als Referenz gilt. Ihr Anschlag ist sofort erkennbar: kurze, emotionale Phrasen mit einem natürlichen Vibrato, das Gänsehaut erzeugt.
Ihre Karriere hatte Höhen und Tiefen, doch ihr Comeback mit dem Album Nick of Time 1989 brachte ihr gleich drei Grammy Awards ein, darunter Album des Jahres. Insgesamt gewann sie 13 Grammys. 2000 wurde sie in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Bonnie bleibt ihrer Fender Stratocaster treu, die sie mit einem Glaskolben (Bottleneck) spielt, um die charakteristischen gleitenden Klänge des Blues-Rock zu erzeugen.
Um mit der Slide-Gitarre zu starten, besorge dir einen Bottleneck aus Glas oder Metall und bespanne deine Gitarre mit etwas dickeren Saiten (z.B. .011-.052). Offene Stimmungen (Open G oder Open D) erleichtern die ersten Schritte enorm. Und wenn du eine Fender Stratocaster wie Bonnie Raitt suchst, findest du in unserer Auswahl das Passende.
Lita Ford: Die Metal-Queen der Achtziger
Die letzte Runaway in unserer Liste, aber keineswegs die Unwichtigste: Lita Ford. Während Joan Jett nach der Auflösung der Band den Punkrock-Weg einschlug, ging Lita den Pfad des Heavy Metal und Hard Rock und setzte sich als eine der wenigen Frauen durch, die in den 80ern mit den männlichen Gitarrenhelden konkurrierten. Ihr Spiel ist technisch, aggressiv, mit schnellen Soli und einer Vorliebe für Humbucker mit hoher Ausgangsleistung.
Ihr Album Lita (1988) ist ein Klassiker des Genres, getragen von Hits wie Kiss Me Deadly und dem Duett Close My Eyes Forever mit Ozzy Osbourne. In einer Zeit, in der Hair Metal von Männern mit Dauerwellen dominiert wurde, erkämpfte sich Lita Ford ihren Platz mit präzisen Riffs und scharfen Soli. Sie spielte hauptsächlich auf B.C. Rich Warlock und Gibson Explorer, Gitarren, die genauso aggressiv aussehen wie ihr Spiel klingt.
Wie Joan Jett stellte sich Lita Ford einer Industrie entgegen, die sie nicht wollte, und bewies, dass Talent – und Metal – kein Geschlecht kennen. Für Fans von Effektpedalen und satten Sounds ist sie eine unerschöpfliche Inspirationsquelle.
Ein Erbe, das weiterklingt
Diese fünf Gitarristinnen sind natürlich nicht die einzigen, die die Geschichte des Rock geprägt haben. Man könnte PJ Harvey, Courtney Love, Carrie Brownstein (Sleater-Kinney), St. Vincent oder Nita Strauss nennen, die dieses Erbe heute weitertragen. Aber Sister Rosetta Tharpe, Joan Jett, Nancy Wilson, Bonnie Raitt und Lita Ford haben auf ihre Weise Türen geöffnet, die scheinbar doppelt verschlossen waren.
Was sie verbindet? Unerschütterliche Entschlossenheit und eine tiefe Liebe zur Gitarre. Diese Musikerinnen haben bewiesen, dass Rock nicht nur männlich konjugiert wird. Und wenn ihre Geschichte dich inspiriert, gibt es nur einen Weg, ihnen zu huldigen: Schnapp dir deine Gitarre und spiel los.

