
- Bootsy Collins entwickelte seinen Stil bei James Brown, bevor er zur Bassstütze von Parliament-Funkadelic wurde.
- Die Space Bass, 1975 vom Gitarrenbauer Larry Pless gebaut, ist ein sternförmiger Bass, der zur Ikone des Funk wurde.
- Ihr charakteristischer Sound basiert auf Effektpedalen wie dem Mu-Tron III (Envelope Filter) und dem Big Muff.
- Bootsys Erbe lebt im Hip-Hop, der Popmusik und dem modernen Funk weiter, mit Jahrzehnten voller Samples und Kollaborationen.
Bei Woodbrass haben wir den Überblick verloren, wie viele Bassisten schon gekommen sind, um den „Bootsy-Sound“ zu suchen – diesen elastischen, fetten Groove voller Effekte, der den Eindruck erweckt, als spräche der E-Bass eine außerirdische Sprache. Lassen Sie uns über den Mann sprechen, über seinen verrückten Werdegang und vor allem über seine Space Bass, dieses sternförmige Instrument, das neu definierte, was ein Bass auf der Bühne sein kann. Von James Browns Begleitband bis zum Mutterschiff Parliament-Funkadelic – eine intergalaktische Reise.
Von Cincinnati zu James Brown: Die Geburt eines Grooves
William Earl Collins wurde am 26. Oktober 1951 in Cincinnati, Ohio geboren, der Heimat der King Records Studios, in denen Legenden des R&B auftraten. Der junge Bootsy wuchs auf, indem er seinem älteren Bruder Phelps „Catfish“ Collins beim Gitarrespielen zusah. Da der Gitarristenplatz besetzt war, schnappte er sich eine Gitarre, bat Catfish, ihm vier Basssaiten zu besorgen, spannte sie auf und voilà – der Bassist war geboren.
1968 gründete Bootsy mit Catfish und Frankie „Kash“ Waddy die Pacesetters. Das Schicksal schlug im März 1970 zu: Die Musiker von James Brown verließen die Band, und die Pacesetters wurden als Begleitband – die J.B.’s – engagiert. Bootsy war erst 18, spielte aber bereits Bass auf Get Up (I Feel Like Being a) Sex Machine, Super Bad und Soul Power. Brown brachte ihm ein fundamentales Konzept bei: „on the one“ spielen, also den ersten Schlag jedes Taktes betonen. Diese Herangehensweise wurde zum Rückgrat des Funk.
Das von James Brown gelehrte Konzept des „One“ besteht darin, den ersten Schlag jedes Taktes zu betonen. Dieses Prinzip prägte den Sound von Parliament-Funkadelic und damit den gesamten modernen Funk. Hip-Hop-Produzenten haben diese Grooves rund um den „One“ vielfach gesampelt.
Die Zusammenarbeit mit Brown dauerte nur etwa ein Jahr, doch die Wirkung war enorm. Zurück in Cincinnati gründete Bootsy eine lokale Band neu. Dort stellte ihm Mallia Franklin George Clinton vor. Das Treffen fand im Halbdunkel eines Hauses statt, das nur von Schwarzlicht erleuchtet wurde, Clinton in ein weißes Tuch gehüllt. Die Chemie war sofort da.
Parliament-Funkadelic: Funk ohne Grenzen
1972 traten Bootsy und Catfish Funkadelic und später Parliament bei. Während James Brown militärische Disziplin forderte, predigte George Clinton totale Freiheit. Bootsy konnte experimentieren, komponieren, abdrehen. Er spielte auf Alben, die zu absoluten Klassikern wurden: Mothership Connection, The Clones of Dr. Funkenstein, One Nation Under a Groove. Das bei Brown gelernte „One“ verschmolz mit Clintons kreativem Chaos zu einem kosmischen Funk, schwer, groovig und völlig verrückt.
In dieser Zeit begann Bootsy auch, seinen Bass durch ein Arsenal von Effektpedalen zu schicken: Envelope Filter, Autowah, Chorus, Big Muff, Delay. Kennst du diesen Basssound, der zu „sprechen“ scheint? Das ist Bootsy mit seinem Mu-Tron III, einem Envelope-Filter-Pedal, das untrennbar mit seinem Sound verbunden ist.
1976 gründete er Bootsy’s Rubber Band, ein Nebenprojekt im P-Funk-Universum. Die Band veröffentlichte vier Alben, deren Erfolg mit dem Titel Bootzilla 1978 die Spitze der R&B-Charts erreichte. Bootsy entwickelte eine schrille Bühnenfigur: sternförmige Brille, glitzernde Kostüme, Plateaustiefel. Es fehlte nur noch ein Instrument, das der Show gerecht wurde.
Die Space Bass: Eine Skizze auf einer Serviette wurde zur Legende
Die Geschichte beginnt 1975. Bootsy hatte einen Traum: einen sternförmigen Bass. Er kritzelte eine Skizze und suchte Gitarrenbauer in New York auf. Überall dieselbe Antwort: Nein. Man sagte ihm, sein Design sei zu bizarr, ja sogar „böse“.
Entmutigt, aber nicht besiegt, landete Bootsy in Warren, Michigan, in einem Laden namens Gus Zoppi Music – einem Ort, der hauptsächlich Akkordeons verkaufte. Ein Verkäufer sagte ihm, dass ein junger Mann im Hinterzimmer Gitarren baue. Dieser junge Mann war Larry Pless, 20 Jahre alt, autodidaktischer Gitarrenbauer, der nebenbei bei General Motors arbeitete. Als Bootsy ihm seine Skizze zeigte, lächelte Pless und nahm das Projekt sofort an.
Die Space Bass wurde rechtzeitig für das Cover des Albums Stretchin‘ Out in Bootsy’s Rubber Band 1976 fertig. Das Instrument ist massiv, aus Vollholz und wiegt ein Vermögen. Aber Bootsy war das egal. Die Herstellungskosten? Etwa 900 Dollar damals, was heute etwa 4.400 Dollar entspricht. Das Instrument wurde in Chicago schnell gestohlen, aber ein sternförmiger Bass fällt auf – er wurde in einem Pfandhaus in Ohio wiedergefunden. Inzwischen baute Pless eine zweite, doch Bootsy bevorzugte den Klang des Originals.
Die erste Space Bass hatte einen Mahagonikorpus, einen Ahornhals und ein Halsprofil, das von der Fender Precision Bass inspiriert war. Sie verfügte außerdem über einen Doppel-Ausgang für mehr klangliche Flexibilität. Diese Kombination aus warmem Holz und klassischer Fender-Bauweise verleiht ihr den charakteristischen satten Bassfundament. Um diese Wärme zu erreichen, ist eine gute Fender nach wie vor eine solide Wahl.
Der Bootsy-Sound: Mehr als nur ein Bass, ein Arsenal
Den Sound von Bootsy nur auf die Space Bass zu reduzieren, wäre ein Fehler. Sein Setup ist ein echtes Klanglabor:
- Mu-Tron III: Der Envelope Filter, der diesen „sprechenden“ Basssound erzeugt, der auf Anschlag und Dynamik reagiert.
- Electro-Harmonix Big Muff: Der dicke, aggressive Fuzz-Sound, der auf den Aufnahmen von Parliament-Funkadelic verwendet wird.
- MXR Digital Delay und Eventide Harmonizer: Für räumliche Texturen und Doublings.
- Alembic Röhrenvorverstärker: Für einen warmen und klaren Sound vor der Endstufe.

Bootsy vergleicht seinen Soundansatz mit Malerei: Farben ausprobieren, die Palette wechseln, den perfekten Ton für jeden Groove finden. Heute kannst du einen Teil dieser Magie mit Bass-Effektpedalen wie dem Electro-Harmonix Bass Mono Synth erleben, der monophone Synthesizer-Sounds direkt vom Bass liefert.
Um den Funk-Sound von Bootsy zu erreichen, beginne mit einer Envelope-Filter-Pedale, die nach einem Kompressor angeschlossen wird. Der Envelope Filter reagiert auf die Dynamik deines Anschlags: Je stärker du die Saite anschlägst, desto mehr öffnet sich der Filter. Kombiniere das mit Stahl-Basssaiten für mehr Brillanz, und du hast schon eine solide Basis.
Das Erbe: Vom Funk über Hip-Hop bis Pop
Bootsy Collins‘ Einfluss geht weit über die Bassisten-Szene hinaus. Seine Linien mit James Brown und Parliament-Funkadelic wurden hundertfach gesampelt im Hip-Hop: Dr. Dre, Snoop Dogg, De La Soul, Public Enemy – sie alle schöpften aus diesem Reservoir. In den 90ern arbeitete Bootsy mit Deee-Lite an Groove Is in the Heart und später mit Fatboy Slim. Kürzlich war er als Erzähler auf An Evening with Silk Sonic (2021) neben Bruno Mars und Anderson .Paak zu hören. Mit über 70 Jahren beweist er, dass Funk kein Verfallsdatum kennt.
Instrumentenseitig haben Washburn und Warwick Signature-Versionen der Space Bass produziert. Die Warwick-Version mit Mahagonikorpus und aktiven MEC-Tonabnehmern bietet eine moderne Klangpalette und behält dabei die unverwechselbare sternförmige Silhouette bei.
Du möchtest mit Funk am Bass durchstarten? Arbeite an deinem Rechte-Hand-Spiel: Wechselschlag, Slap, Ghost Notes. Funk ist vor allem eine Frage von Dynamik und rhythmischer Platzierung. Was die Ausrüstung angeht, tut es ein guter 4-saitiger Bass mit Jazz- oder P/J-Tonabnehmern. Ergänze ihn mit einem Bass-Multieffektgerät, um Envelope Filter und Synthesizer zu erkunden.
Ein Stern, der nicht erlischt
Bootsy Collins ist der Beweis, dass ein Bassist der rhythmische Motor und der Star der Show sein kann. Von seinen improvisierten Anfängen in Cincinnati bis zu den kosmischen Bühnen von P-Funk und der Space Bass, die niemand bauen wollte – sein Weg ist eine Lektion in Mut. Der Funk, den er geprägt hat, nährt die Musik von heute. Und wenn du genau hinhörst, wenn eine Basslinie besonders groovt, hat sie sicher etwas mit dem Mann mit der sternförmigen Brille zu tun.
Quellen
- Premier Guitar – Bootsy Collins: Bass from Outer Space
- Guitar.com – Die Geschichte von Bootsy Collins‘ Space Bass
- Rolling Stone – Bootsy Collins über James Brown, George Clinton und das Album des Jahres
- National Museum of African American History and Culture – Bootsy Collins Space Bass
- Relix – Bootsy Collins über James Brown, George Clinton und die Kraft des „One“

